Schweizer Mode im japanischen Stil

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Sode (auf Japa­nisch „Ärmel“) ist das New­co­mer Label der dies­jäh­ri­gen Ber­ner Lauf­me­ter-Edi­ti­on. Wir haben die Desi­gne­rin des Brands, Car­la Leh­mann, in ihrem Ate­lier in Schli­ern bei Köniz besucht.

Text und Fotos: Ila­ria Lon­go

2015 hast du das Label Cou­sin Kimo­no mit­ge­grün­det, seit neun Jah­ren arbei­test du als Desi­gne­rin und Pro­dukt­ma­na­ge­rin in der Tex­til­bran­che und nun hast du 2019 Sode lan­ciert. Woher stammt dei­ne Begei­ste­rung für die Mode?

Ich hat­te schon immer eine genaue Vor­stel­lung davon, wie mei­ne Klei­dung aus­se­hen soll. Weil ich aber nie fün­dig gewor­den bin, habe ich als Teen­ager begon­nen, in Brockis Klei­dung zu kau­fen und die­se dann nach mei­nem Geschmack abzu­än­dern. Spä­ter habe ich dann die Aus­bil­dung zur Fashion Assi­stant gemacht und danach jene zur Fashion Desi­gne­rin.

Sowohl für Cou­sin Kimo­no als auch für Sode ist der mini­ma­li­sti­sche Stil Japans wich­tig. Wie kommt das?

Ich lie­be es, Asi­en zu berei­sen. Japan habe ich nicht zuletzt wegen des dor­ti­gen Mode­stils besucht. Die wei­ten, flies­sen­den Schnit­te fin­de ich inspi­rie­rend. Schon wäh­rend mei­ner Aus­bil­dung habe ich – und dies gar nicht mal bewusst – die­sen Stil immer wie­der auf­ge­grif­fen.

Dei­ne Kol­lek­tio­nen ent­ste­hen in der Schweiz – im IDM in Thun und der Stricke­rei Hutt­wil – und sind auf weni­ge Stücke limi­tiert. Wie wich­tig ist es dir, Uni­ka­te zu schaf­fen?

Es han­delt sich nur begrenzt um Uni­ka­te, denn mei­stens sind pro Design schon bis zu zehn Stücke ver­füg­bar. Da ich aber mit Rest­stof­fen arbei­te, hängt dies natür­lich vom ver­füg­ba­ren Mate­ri­al ab.

War es eine bewuss­te Ent­schei­dung mit Rest­stof­fen zu arbei­ten?

Das The­ma Nach­hal­tig­keit hat natür­lich eine wich­ti­ge Rol­le gespielt. Aller­dings ist es auch so, dass man als klei­nes Label gewis­se Stof­fe gar nicht bezie­hen kann, weil man zwi­schen 500 bis 1000 Meter kau­fen müss­te. Es macht mir aber sehr Spass, unter die­sen Rest­stof­fen, die aus Deutsch­land und Ita­li­en stam­men, Trou­vail­len zu fin­den. In der Früh­ling-/Som­mer­kol­lek­ti­on wer­de ich übri­gens einen Strick­pull­over in Weiss, Oli­ve und Korall haben, der aus Flachs ver­ar­bei­tet wur­de, der im Emmen­tal gewach­sen ist. Dar­auf freue ich mich beson­ders. 

Mode Made in Switz­er­land ist hoch­prei­si­ger. Inwie­fern sind die Men­schen heu­te bereit, dafür mehr zu bezah­len?

Beim Ver­kauf mei­ner ersten Kol­lek­ti­on letz­ten Herbst war ich posi­tiv über­rascht, dass es schon vie­le Kun­din­nen gibt, die bewusst dar­auf ach­ten, woher ihre Klei­dung und die Stof­fe dafür stam­men. Die Fra­ge nach dem Preis ist da nicht unbe­dingt zen­tral.

Wie setzt sich dei­ne Kund­schaft zusam­men?

Es ist span­nend, wie unter­schied­lich sie ist. Älte­re Frau­en kom­men genau­so zu mir ins Ate­lier wie auch jün­ge­re. Letz­ten Herbst hat­te ich an einer Mes­se eine tol­le Begeg­nung mit einer Kun­din, die um die 20 Jah­re alt war. Sie war sich unsi­cher, ob sie einen Man­tel kau­fen soll­te und ist mehr­mals vor­bei­ge­kom­men, um ihn zu pro­bie­ren. Beim drit­ten Mal hat sie mir gesagt, sie hät­te jetzt gera­de ihre Zalan­do-Bestel­lung stor­niert und möch­te lie­ber mei­nen Man­tel kau­fen (lacht). Anstel­le von vier Tei­len hat sie schliess­lich eines gekauft. Das hat mich natür­lich sehr gefreut. Genau das fin­de ich wich­tig für unse­re Zukunft – nicht mehr die Quan­ti­tät zählt, son­dern die Qua­li­tät.

Du wirst im Mai als New­co­mer-Label an der Lauf­me­ter-Aus­ga­be in Bern teil­neh­men. Start der Ber­ner Edi­ti­on ist beim Bun­des­haus – ein bedeu­ten­der Ort. Was ist das für ein Gefühl?

Wenn ich mir das Bun­des­haus und die vie­len Leu­te, das Ambi­en­te und mei­ne Mode vor­stel­le, sind das unglaub­li­che Gefüh­le: Freu­de, Glück, Stolz… Doch ich wer­de bestimmt auch sehr ner­vös sein: Klappt alles, kommt die Kol­lek­ti­on an, wie ist die Reak­ti­on der Men­schen? Im Moment freue ich mich ein­fach dar­auf, die Rei­hen­fol­ge der Models und ihre Styles zu pla­nen.