Portrait: MIIRË

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Zu Besuch bei den Labels des 1. Lauf­me­ter Mode-Salons vom 18.–20. Okto­ber 2019 in Bern. Ila­ria Lon­go schau­te im Ate­lier von Mia Bre­gar vor­bei.

Miirë, was auf Elbisch Juwel heisst, ist das New­co­mer-Label des 1. Lauf­me­ter Mode-Salons. 2017 wur­de es von der Ber­ne­rin Mia Bre­gar gegrün­det. Aus­schlag­ge­bend dafür war nicht zuletzt ein ver­bor­ge­ner Schatz in ihrem geschichts­träch­ti­gen Loft in Kirch­berg, wo sie lebt und arbei­tet.

Wir befin­den uns hier in dei­nem Zuhau­se, wo du auch arbei­test. Die Ver­gan­gen­heit die­ses Gebäu­des könn­te nicht pas­sen­der für das Ate­lier eines Mode­la­bels sein.
Ja, hier hat die ehe­ma­li­ge Baum­woll­we­be­rei Elsäs­ser und Cie einst Stof­fe her­ge­stellt. Obwohl das nun schon über vier­zig Jah­re her ist, habe ich manch­mal das Gefühl, noch immer die­se Geschäf­tig­keit, die hier geherrscht haben muss, zu spü­ren. Es gibt nach wie vor Details, die zei­gen, dass hier vor lan­ger Zeit Tex­ti­li­en her­ge­stellt wur­den. Auf dem Boden sind bei­spiels­wei­se noch die Metall­ele­men­te zu sehen, wo frü­her die Web­stüh­le stan­den.

Wel­che Bedeu­tung hat­te die­ses geschichts­träch­ti­ge Gebäu­de für dei­ne Label­grün­dung?
Meh­re­re Fak­to­ren haben dazu geführt, dass ich Miirë lan­ciert habe. Ein wich­ti­ger Impuls war sicher, dass ich im Hei­zungs­raum Ori­gi­nal­stof­fe der ehe­ma­li­gen Baum­woll­we­be­rei gefun­den habe. Es ist ein rich­ti­ger Glücks­fall, dass sie noch so gut erhal­ten sind, dass ich sie für ein­zel­ne Klei­dungs­stücke ver­wen­den kann.

Du hast kei­ne klas­si­sche Design- oder Schnei­der­aus­bil­dung absol­viert, son­dern arbei­test auch erfolg­reich als Hair- und Make-up-Sty­li­stin. Wie kam es, dass du ent­schie­den hast, ein Mode­la­bel zu grün­den?
Ich bin der Mei­nung, dass man, wenn man Design mag und ver­steht, in der Lage ist, Diver­ses in die­sem Bereich zu machen. Neben Miirë und mei­ner Tätig­keit als Hair- und Make-up-Artist, stel­le ich auch Möbel her. Ich mache, was mir Freu­de berei­tet (lacht). Ich habe am Cen­tral Saint Mar­tins Col­le­ge of Art and Design in Lon­don eine Aus­bil­dung zur Sty­li­stin absol­viert, das hilft mir bei mei­nem Label. Ich dra­pie­re an der Büste Pro­to­ty­pen und arbei­te danach mit einer Schnitt­tech­ni­ke­rin und Schnei­de­rin an der Aus­füh­rung. Die­se Zusam­men­ar­beit ist sehr span­nend: Obwohl ich natür­lich mei­ne Vor­stel­lun­gen eines Klei­dungs­stück habe, sind mir ihre Inputs als Exper­tin­nen sehr wich­tig.

Was ist das Kon­zept von Miirë?
Ich will bewusst mit Mate­ria­li­en arbei­ten, die bereits exi­stie­ren, um der Mate­ri­al­ver­schwen­dung ent­ge­gen­zu­wir­ken. Der Fund der Elsäs­ser-Stof­fe hat mich dazu bewo­gen her­aus­zu­fin­den, wel­che Tex­ti­li­en heu­te noch im Bern­biet her­ge­stellt wer­den. Die Idee ist es, aus­schliess­lich Stof­fe aus der Regi­on zu ver­wen­den und hier wei­ter­zu­ver­ar­bei­ten. Ich bezie­he Rest­stof­fe der Fir­ma Schwob. Dadurch, dass sie für den Medi­zi­nal- und Hotel­le­rie­be­reich hoch­wer­ti­ge Stof­fe her­stel­len, bin ich in der Farb­pa­let­te etwas ein­ge­schränkt. Des­halb herr­schen bei Miirë hel­le Töne vor – abge­se­hen vom bun­ten Blu­men­kleid, das ich exklu­siv für den Mode-Salon aus dem alten Elsäs­ser-Stoff kre­iert habe.

Dem­nach geben die Stof­fe das Design vor?
Abso­lut. Da ich mit Rest­po­sten arbei­te, gibt es auch nicht immer gleich vie­le Stücke eines Modells. Manch­mal reicht es für vier paar Hosen, manch­mal für mehr.

Kenn­zeich­nend für Miirë ist auch die Sai­son­un­ab­hän­gig­keit.
Genau, momen­tan habe ich 3 Hosen- und 3 Blu­sen-Model­le sowie ein Kleid. Die­se Stücke fer­ti­ge ich dann in diver­sen Stof­fen an. Das Kleid liegt mir beson­ders am Her­zen: Es basiert auf einem unfer­ti­gen Kleid, das ich bei mei­ner Oma auf dem Dach­bo­den gefun­den habe.

Du bist das New­co­mer-Label am Mode-Salon des Lauf­me­ters. Was erhoffst du dir von die­sem Anlass?
Ich freue mich dar­auf, mein Label einem brei­te­ren Publi­kum prä­sen­tie­ren zu dür­fen. Der Lauf­me­ter zieht immer vie­le mode­in­ter­es­sier­te Men­schen an. Es ist toll, Teil davon zu sein.

Der 1. Lauf­me­ter Mode-Salon fin­det vom 18. bis 20. Okto­ber 2019 in Bern statt. Auf­takt am Frei­tag, 18.10. um 19:00 Uhr im Kino ABC, Moser­stras­se 24, mit Apé­ro und um 20:00 Uhr mit dem Film “Ly-Ling und Herr Urge­si”. Die Prot­ago­ni­stin Ly-Ling Vilay­sa­ne nimmt mit ihrem Label AÉTHÉRÉE beim Mode­ver­kauf teil. Sie wird bei der Film­vor­füh­rung und dem anschlies­sen­den Gespräch dazu anwe­send sein. Film­tickets: www.quinnie.ch
Der Mode­ver­kauf mit acht Labels fin­det am Samstag/Sonntag, 19./20. Okto­ber, von 10:00 bis 18:00 Uhr im Korn­haus­fo­rum Bern statt. An bei­den Tagen jeweils um 11:00 und 13:30 Uhr Prä­sen­ta­ti­ons­run­den mit den Desi­gne­rin­nen. Der Ein­tritt zum Mode-Salon im Korn­haus­fo­rum ist gra­tis.