Portrait: Debora Rentsch

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Zu Besuch bei den Labels des 1. Lauf­me­ter Mode-Salons vom 18.–20. Okto­ber 2019 in Bern. Ila­ria Lon­go schau­te im Ate­lier von Debo­ra Rentsch vor­bei.

An der Mün­ster­gas­se, dort wo wäh­rend des Lauf­me­ters jeweils die Models durch die Gas­se fla­nie­ren, befin­det sich das Ate­lier von Debo­ra Rentsch. Im hin­te­ren Bereich der Bou­tique Ooony­va arbei­tet sie an den schlich­ten Krea­tio­nen ihres gleich­na­mi­gen Labels. Wir haben die Mache­rin hin­ter der Mode “Made in Bern” zum Inter­view getrof­fen.

Die­ses Jahr fei­erst du mit dei­nem Label dein 10-Jahr-Jubi­lä­um. In den letz­ten Jah­ren hat sich die Mode­bran­che stark ver­än­dert. Zum Guten oder zum Schlech­ten für loka­le Labels?
Im Moment erle­be ich die Ber­ner Mode­sze­ne als sehr viel­fäl­tig. Um die Nuller­jah­re gab es bereits ein­zel­ne Per­so­nen, die sich für loka­le Labels stark gemacht haben, heu­te hat sich dies der Lauf­me­ter zur Auf­ga­be gemacht. Mitt­ler­wei­le gibt es vie­le Ber­ner Labels, die schon seit meh­re­ren Jah­ren bestehen.

Hat das damit zu tun, dass die Men­schen heu­te auch in der Mode ver­mehrt auf Nach­hal­tig­keit ach­ten?
Ich glau­be, da gibt es noch sehr viel Luft nach oben. Beim Essen ist es mitt­ler­wei­le selbst­ver­ständ­lich, dass man auf Bio-Qua­li­tät und die regio­na­le Her­kunft schaut. In der Mode ist das lei­der noch nicht so.

Was ist die Auf­ga­be von euch Desi­gne­rin­nen und Desi­gnern, um da ein Umden­ken zu för­dern?
Ich fin­de es wich­tig, dass wir offen kom­mu­ni­zie­ren. Unse­re Krea­tio­nen sind teu­rer als die Klei­dungs­stücke von Mode­ket­ten, des­halb müs­sen wir den Kun­din­nen und Kun­den auf­zei­gen, wel­che Arbeit dahin­ter­steckt.

Hast du bevor­zug­te Mate­ria­li­en?
Ich lie­be Jeans. Es ist sehr span­nend, über Jah­re und nicht nur eine Sai­son mit einem bestim­men Mate­ri­al zu arbei­ten: Man weiss, wie es nach mehr­ma­li­gem Tra­gen und Waschen aus­sieht. Ich wasche bei­spiels­wei­se seit drei Jah­ren alle Stof­fe vor, bevor ich sie ver­ar­bei­te, damit sie nicht mehr ein­ge­hen. Für mich muss ein Klei­dungs­stück ein­fach auch prak­tisch sein.

Ent­ste­hen dei­ne Kol­lek­tio­nen jede Sai­son kom­plett neu oder basie­ren sie auf den vor­he­ri­gen?
Sowohl als auch. Eini­ge Schnit­te, die ich über die Jah­re aus­ge­ar­bei­tet habe, ver­än­de­re ich nicht mehr. Ande­re Stücke habe ich nur eine Sai­son im Sor­ti­ment. Was am Anfang jeder Kol­lek­ti­on steht, ist eine Farb­pa­let­te, die ich defi­nie­re. Die­sen Win­ter habe ich bei­spiels­wei­se Blau- und Grün­nu­an­cen so wie Bee­ren- und Zwetsch­gen­tö­ne ver­wen­det.

Dei­ne Kol­lek­tio­nen sind unter ande­rem in dei­ner Bou­tique Ooony­va erhält­lich. Die­se führst du gemein­sam mit zwei ande­ren Desi­gne­rin­nen.
Ja, wir haben alle drei unser eige­nes Label. Für uns war klar, dass wir unse­re Mode ger­ne sel­ber ver­kau­fen möch­ten, doch das ist allein kaum zu bewäl­ti­gen, denn sonst hat man kei­ne Zeit mehr zum Ent­wer­fen und Kre­ieren. Im Ooony­va ver­kau­fen wir unse­re Mode, zusätz­lich füh­ren wir zum Bei­spiel Schmuck, Taschen oder Kera­mik – vor­wie­gend von Schwei­zer Labels.

Wie berei­chert die­ser Kun­den­kon­takt dei­ne krea­ti­ve Arbeit?
Ich emp­fin­de das als sehr inspi­rie­rend. Ich mache bei­spiels­wei­se auch Klei­dungs­stücke auf Mass. Neu­lich habe ich für mei­ne älte­ste Kun­din – sie ist 94 Jah­re alt – ein Som­mer­kleid mit einem flo­ra­len Muster gemacht. Ich sel­ber ver­wen­de, abge­se­hen vom Innen­ma­te­ri­al mei­ner Klei­dungs­stücke, ja eher uni­far­be­ne Stof­fe, aber sol­che Mass­ar­bei­ten inspi­rie­ren mich immer sehr.

Der 1. Lauf­me­ter Mode-Salon fin­det vom 18. bis 20. Okto­ber 2019 in Bern statt. Auf­takt am Frei­tag, 18.10. um 19:00 Uhr im Kino ABC, Moser­stras­se 24, mit Apé­ro und um 20:00 Uhr mit dem Film “Ly-Ling und Herr Urge­si”. Die Prot­ago­ni­stin Ly-Ling Vilay­sa­ne nimmt mit ihrem Label AÉTHÉRÉE beim Mode­ver­kauf teil. Sie wird bei der Film­vor­füh­rung und dem anschlies­sen­den Gespräch dazu anwe­send sein. Film­tickets: www.quinnie.ch
Der Mode­ver­kauf mit acht Labels fin­det am Samstag/Sonntag, 19./20. Okto­ber, von 10:00 bis 18:00 Uhr im
Korn­haus­fo­rum Bern statt. An bei­den Tagen jeweils um 11:00 und 13:30 Uhr Prä­sen­ta­ti­ons­run­den mit den Desi­gne­rin­nen.
Der Ein­tritt zum Mode-Salon im Korn­haus­fo­rum ist gra­tis.