Portrait: Aéthérée

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Zu Besuch bei den Labels des 1. Lauf­me­ter Mode-Salons vom 18.–20. Okto­ber 2019 in Bern. Ila­ria Lon­go schau­te in St. Gal­len im Ate­lier von Ly-Ling Vilay­sa­ne und ihrem Label Aéthé­rée vor­bei.

In der St.Galler Innen­stadt ent­ste­hen im Ate­lier von Aéthé­rée wan­del­ba­re Klei­dungs­stücke aus Natur­fa­sern. Die Desi­gne­rin hin­ter dem Label, Ly-Ling Vilay­sa­ne, arbei­tet auch immer wie­der bei Kunst­pro­jek­ten mit – und ist jetzt sogar Prot­ago­ni­stin eines Kino­films.

Die Begeg­nung mit Ly-Ling Vilay­sa­ne gehört zu jenen, die man nicht so schnell wie­der ver­gisst. Ihre Ener­gie und ihr herz­li­ches Lachen sind ansteckend, und wenn sie von ihren Pro­jek­ten erzählt, sprüht man gleich sel­ber vor Taten­drang. Obwohl Mode stets im Zen­trum ihrer Tätig­kei­ten steht, arbei­tet sie auch dis­zi­plin­über­grei­fend. Ande­re Blick­win­kel ein­zu­neh­men sind der St.Gallerin mit lao­ti­schen Wur­zeln sowie­so enorm wich­tig. Ent­spre­chend hat sie auch den Namen ihres Mode­la­bel Aéthé­rée und das dazu­ge­hö­ren­de Logo – einen flie­gen­den Engel – gewählt: “Aéthé­rée bedeu­tet auf Alt­fran­zö­sisch äthe­risch, und so wird auch der Zustand bei der Medi­ta­ti­on genannt, bei dem die See­le den Kör­per ver­lässt und auf ihn hin­ab­blickt”, erklärt die wer­den­de Mut­ter. Neben dem Mode­la­bel, das sie 2006 in Paris gegrün­det hat, wo sie stu­diert und acht Jah­re gelebt hat, ist sie auch Teil des Jacken­brands Volpo­ne.

Immer wie­der arbei­tet Ly-Ling Vilay­sa­ne zudem mit Künst­le­rin­nen und Künst­lern zusam­men. Ihr neu­stes Pro­jekt nennt sich “Panisch Real”. Ent­stan­den ist es mit der Künst­le­rin Vera Mar­ke, die bei die­ser Arbeit mit Ana­gram­men aus der Cha­nel-Welt arbei­tet. 3 T-Shirts in einer Auf­la­ge von 99 num­me­rier­ten Stücken hat Ly-Ling Vilay­sa­ne bis­her ent­wor­fen. Geziert wer­den sie von Wör­tern wie bei­spiels­wei­se “Lachen” – ein Ana­gramm von Cha­nel. Und natür­lich tra­gen sie Ly-Ling Vilay­sa­nes Hand­schrift: Sei­ten­näh­te feh­len, dafür befin­den sich die­se auf der Vor­der- und Rück­sei­te des Ober­teils. Dass Karl Lager­feld vor sei­nem Tod vom Pro­jekt erfah­ren hat und es ori­gi­nell fand, erzählt Ly-Ling Vilay­sa­ne in einem Neben­satz.

Ange­be­rei, das passt weder zu Aéthé­rée noch zu der Desi­gne­rin hin­ter dem Label. Schlich­te, unauf­ge­reg­te und zeit­lo­se Tei­le aus bei­spiels­wei­se Loden oder Wol­le: Dafür rei­sen vor­wie­gend Kun­din­nen und ver­ein­zelt auch Kun­den aus der gan­zen Schweiz zu Ly-Ling Vilay­sa­nes Bou­tique in St. Gal­len, die sich seit 2012 im glei­chen Haus befin­det, wo die Desi­gne­rin ihr Ate­lier hat und lebt. Doch so redu­ziert ihre Krea­tio­nen auch sind, Ly-Ling Vilay­sa­ne lässt es sich nicht neh­men, klei­ne Details zu inte­grie­ren, die erst auf den zwei­ten Blick ersicht­lich wer­den. Ein wei­te­res Mar­ken­zei­chen ist die Trans­for­mier­bar­keit vie­ler Stücke: Ein Pull­over kann schon mal auf fünf Arten getra­gen wer­den. “Die Idee dazu ist zufäl­lig ent­stan­den. Als ich ein­mal bis drei Uhr mor­gens gear­bei­tet habe, zog ich mei­nen Pull­over falsch her­um an. Ich habe zwar gemerkt, dass etwas nicht stimmt, aber es hat cool aus­ge­se­hen”, sagt sie lachend.

Ly-Ling Vilay­sa­ne arbei­tet sai­son­un­ab­hän­gig. Jeden Monat bringt sie ein neu­es Klei­dungs­stück her­aus. Die unzäh­li­gen Schnitt­mu­ster bewahrt sie dabei in ihrem Ate­lier auf, denn immer wie­der stellt sie Stücke erneut her. „“Ich habe auf­ge­hört, Kol­lek­tio­nen zu ent­wer­fen, weil ich das nicht nach­hal­tig fin­de. Ich möch­te die Men­schen nicht stres­sen und ihnen nicht das Gefühl geben, ein Stück sei nach ein paar Mona­ten nicht mehr erhält­lich.” Die Pro­to­ty­pen stellt sie zusam­men mit ihrer Tan­te, einer pen­sio­nier­ten Schnei­de­rin, und ihrem Prak­ti­kan­ten sel­ber her, pro­du­ziert wird schliess­lich in Deutsch­land.

Für Mass­ar­bei­ten wie etwa Anzü­ge hat die Desi­gne­rin heu­te kaum mehr Zeit. Eigent­lich scha­de, wenn man bedenkt, dass sie vie­le Tricks bezüg­lich der Anzugs­her­stel­lung von einem Mann mit über sech­zig Jah­ren Erfah­rung gelernt hat. Wie Ly-Ling Vilay­sa­ne und Herr Urge­si, der 74-jäh­ri­ge Mae­stro der Fein­mass­schnei­de­rei in St. Gal­len, vor drei Jah­ren zusam­men­ge­ar­bei­tet haben, hat der Fil­me­ma­cher Gian­car­lo Moos in der Doku “Ly-Ling und Herr Urge­si” fest­ge­hal­ten. Der Trai­ler des Kino­films zeigt, wenn zwei Genera­tio­nen aus zwei ver­schie­de­nen Wel­ten auf­ein­an­der­tref­fen, ver­läuft das nicht immer rei­bungs­los. Zu viel soll an die­ser Stel­le nicht ver­ra­ten wer­den, denn die Doku eröff­net am 18. Okto­ber den ersten Mode-Salon des Lauf­me­ters. Doch Ly-Ling Vilay­sa­ne beru­higt uns: “Obwohl man es im Film nicht sieht, haben wir natür­lich mehr mit­ein­an­der gelacht als gestrit­ten.” Etwas ande­res hät­ten wir uns auch nicht vor­stel­len kön­nen.

Der 1. Lauf­me­ter Mode-Salon fin­det vom 18. bis 20. Okto­ber 2019 in Bern statt. Auf­takt am Frei­tag, 18.10. um 19:00 Uhr im Kino ABC, Moser­stras­se 24, mit Apé­ro und um 20:00 Uhr mit dem Film “Ly-Ling und Herr Urge­si”. Die Prot­ago­ni­stin Ly-Ling Vilay­sa­ne wird bei der Film­vor­füh­rung und dem anschlies­sen­den Gespräch dazu anwe­send sein. Film­tickets: www.quinnie.ch
Der Mode­ver­kauf mit acht Labels fin­det am Samstag/Sonntag, 19./20. Okto­ber, von 10:00 bis 18:00 Uhr im
Korn­haus­fo­rum Bern statt. An bei­den Tagen jeweils um 11:00 und 13:30 Uhr Prä­sen­ta­ti­ons­run­den mit den Desi­gne­rin­nen.
Der Ein­tritt zum Mode-Salon im Korn­haus­fo­rum ist gra­tis.