Hochwertige Alltagsmode für alle

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Zusam­men mit rund neun Mit­ar­bei­te­rIn­nen führt Clau­dia Güdel ihr gleich­na­mi­ges Label sowie ihre zwei Shops in Basel und Zürich. Wir haben die Desi­gne­rin, die hoch­wer­ti­ge All­tags­mo­de für Frau­en und Män­ner her­stellt, in ihrem Ate­lier in Klein­ba­sel besucht und mit ihr über ihre Krea­tio­nen gespro­chen.

Text und Fotos: Ila­ria Lon­go

Wir befin­den uns hier in dei­nem Ate­lier an der Mark­gräf­ler­stras­se 34 in Basel. Wel­che Tei­le des Design- bzw. Her­stel­lungs­pro­zes­ses fin­den hier statt?
Hier ent­wickeln wir die Schnit­te und fer­ti­gen die Pro­to­ty­pen. Die­se fix­fer­ti­gen Muster­kol­lek­tio­nen geben wir dann in Pro­duk­ti­on. Wir las­sen in Polen pro­du­zie­ren, denn wir möch­ten, dass unse­re Mode erschwing­lich ist. Unse­re Stof­fe stam­men aus der EU oder der Schweiz, sie sind so hoch­wer­tig, dass sie ewig hal­ten: Das ist unser Bei­trag an die Nach­hal­tig­keit. Im EU-Raum schlies­sen der­zeit vie­le Pro­duk­ti­ons­stät­ten wegen der inter­na­tio­na­len Kon­kur­renz, des­halb fin­de ich es sinn­voll, einen Her­stel­ler in Polen zu unter­stüt­zen.


Du hast dein Label 2002 als Män­ner­mo­de­la­bel lan­ciert. Wie kam es, dass du dich 2008 ent­schie­den hast, auch eine Frau­en­kol­lek­ti­on zu machen?
Damit ich mir den Traum eines Shops in Zürich erfül­len konn­te, habe ich mein Sor­ti­ment erwei­tert. Mir ist damals auf­ge­fal­len, dass vie­le Frau­en mei­ne Män­ner­mo­de ange­zo­gen haben. Weil sie ihnen aber nicht per­fekt gepasst hat und weil ich für mich sel­ber auch Klei­der her­stel­len woll­te, habe ich begon­nen, Frau­en­kol­lek­tio­nen zu ent­wer­fen.


Inwie­fern unter­schei­det sich die Arbeit an einer Män­ner­kol­lek­ti­on von der an einer Frau­en­kol­lek­ti­on?
Wenn ich die Frau­en­kol­lek­ti­on ent­wer­fe, kann ich viel mehr von mei­nen eige­nen Bedürf­nis­sen aus­ge­hen. Bei der Män­ner­kol­lek­ti­on den­ke ich mehr an unter­schied­li­che Kun­den. In der Män­ner­mo­de herrscht der­zeit auch eher ein Dik­tat. Das ist auch ein Grund, wie­so ich vor zehn Jah­ren begon­nen habe, Jeans zu ent­wer­fen: Män­ner wol­len zwar bei einem Schwei­zer Label ein­kau­fen, aber am lieb­sten halt Klei­dungs­stücke, die ihnen ver­traut sind.


Für die Bil­der dei­ner letz­ten Win­ter­kol­lek­ti­on hast du in Sar­di­ni­en Ein­hei­mi­sche gebe­ten, an ihrem Arbeits­platz dei­ne Krea­tio­nen zu tra­gen. Wie ist die­se Idee ent­stan­den?
Weil mei­ne Klei­der für den All­tag gedacht sind, woll­te ich, dass sie die­ses Mal nicht von Models getra­gen wer­den. Ein befreun­de­tes Paar von mir, das foto­gra­fiert, hat auf Sar­di­ni­en ein Haus gebaut. Mei­nen Besuch habe ich genutzt, um die Kol­lek­ti­ons­bil­der zu rea­li­sie­ren. Es war schön zu sehen, wie sich vie­le Per­so­nen geschmei­chelt gefühlt haben, als wir sie ange­fragt haben.


Lauf­me­ter hat einen Online­shop lan­ciert: Da sind auch die von dir ange­spro­che­nen Jeans für Frau­en und Män­ner erhält­lich. Ist es das erste Mal, dass dei­ne Stücke in einem Online­shop ver­kauft wer­den?
Nein, ich war schon mehr­mals Teil von Online­shops. Mei­ne Diplom­ar­beit in den 90er-Jah­ren war tat­säch­lich ein Online­shop, den ich sel­ber pro­gram­miert habe. Dafür habe ich eine Kol­lek­ti­on für Men­schen, die von zu Hau­se aus arbei­ten, ent­wickelt. Ich habe sogar einen Jupe ver­kauft (lacht).


Der Jeans­kauf ist wohl einer der schwie­rig­sten. Es ist mutig, die­se online zu ver­kau­fen.
Bei Jeans haben wir sehr gute Erfah­rungs­wer­te: Wenn jemand sei­ne Grös­se weiss, dann passt unser Modell meist. Und soll­te dies nicht der Fall sein, besteht die Mög­lich­keit der Rück­sen­dung. Ich fin­de es toll, das Pro­gramm des Online­shops durch eine Jeans ergän­zen zu kön­nen.


Die Jeans­ver­ar­bei­tung steht gera­de bei der Dis­kus­si­on rund um nach­hal­ti­ge Klei­der­pro­duk­ti­on oft im Mit­tel­punkt. Auf was ach­test du bei dei­nen Jean­s­krea­tio­nen?
Der ita­lie­ni­sche Her­stel­ler, von dem wir den Jeans­stoff bezie­hen, ist ein Vor­rei­ter, wenn es um nach­hal­ti­ge Pro­duk­ti­on geht. Wir wer­den künf­tig einen neu­en Jeans­stoff von ihm ver­wen­den: Bei des­sen Her­stel­lung wer­den bis zu 85 % weni­ger Was­ser und Che­mi­ka­li­en ver­wen­det und der CO2-Aus­stoss wird um 60 % redu­ziert. Was bei unse­ren Jeans dazu­kommt, ist, dass wir kein “Stone washing” machen. Wir sind der Mei­nung, dass der “Used Look” durchs Tra­gen ent­ste­hen soll und nicht durch Che­mi­ka­li­en.